Die Musikrichtung des Jazz kam in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts aus ihrer Nische und begann ein weltweites Publikum zu erreichen. Die Experimentierfreude der Musiker kannte keine Grenzen. Duke Ellington war einer der bedeutendsten Vertreter dieser Zeit, der sich sowohl bewusst auf traditionelle afro-amerikanische Vorgaben berief als auch klassische europäische Musik in seinen Kompositionen verarbeitete. Viele Zeitgenossen empfanden den Bruch mit Hörgewohnheiten als viel zu groß. Der neue Musikstil war heftig umstritten, wurde diffamiert und teilweise aktiv bekämpft. Nichtsdestotrotz bereitete dieses „Jazz Age“ den Boden für zwei Jahrzehnte in denen Jazz zum populärsten Musikstil in weiten Teilen der Welt wurde. Seitdem sind viele Jazzepochen verflossen, Bop, Cool, Free, etc. Viele der heutigen Jazzmusiker fühlen sich keiner dieser Stilrichtungen verpflichtet und kehren in gewisser Weise zum „anything goes“ der anarchischen frühen Jazztage zurück, mit Ellingtons Motto „If it sounds good and feels good, then it IS good!“.
Die bei uns auftretenden Musiker gehören zu dieser Generation. Sebastian Gramss, Kontrabassist, Cellist und Komponist, Dozent für Ensemble/Improvisation und Kontrabass an der Musikhochschule Köln und am Institut für Musik Osnabrück, gehört seit Jahren zu den renommiertesten Musikern im Bereich Jazz und zeitgenössische Musik. Neben zahlreichen Jazzgruppen verschiedenster Stilrichtungen erstrecken sich seine Projekte z.B. auch auf die Goldberg-Variationen von Bach oder ein 50-köpfiges Bassorchester.
Leonhard Huhn, Dozent an der Hochschule für Musik Würzburg, Saxophonist und Komponist steht ebenso für Vielseitigkeit ohne Berührungsängste. U.a. spielt er (wie auch Gramss) im Multiple Joy(ce) Orchestra, dass nicht nur klassischen Jazz, sondern auch Kompositionen von Karlheinz Stockhausen oder John Cage aufführt.
Beide Musiker verbindet nicht nur ihre Experimentierfreude und die Arbeit mit großen Ensembles mit Duke Ellington, sie beziehen sich auch ganz direkt auf seine Musik und präsentierten seine Kompositionen in ihrem Programm als Duo (Sebastian Gramss/Leonhard Huhn: Duke Ellington’s Far East Suite (fixcel records, 2011)).
Das Konzert dieser beiden bildet unsere musikalische Brücke zwischen den 20er Jahren des 20. und 21. Jahrhunderts. Dem Konzert vorangestellt wird ein kurzer Vortrag von Prof. Dr. Wolfram Knauer, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Gründungsdirektor des Jazzinstituts Darmstadt (1990-2024), in dem dieser einige Fragen in Bezug auf eine Musik aufwirft, die sich so oft neu erfunden hat und sich so hartnäckig weigert, endgültig zur Tradition zu werden. Was kann diese Musik eigentlich noch? Wofür steht sie? Und wen betrifft sie eigentlich?
Der Mainzer Verein UpArt e.V. bietet seit über 30 Jahren unterschiedlichen Stilen und Grenzbereichen des Jazz eine Bühne, nicht zuletzt in Form des AKUT-Festivals, das im Jahr 2025 zum 24. Mal veranstaltet wurde.
Der Veranstaltungsort, das Atelier Christiane Schauder, dient seit vielen Jahren in Mainz als Aufführungsort anspruchsvoller Musik aus dem Bereich des Jazz, aber auch der Klassik.



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Eine Veranstaltung von upArt e. V.